Server und Linux: Kann man nicht einfach Windows installieren?

Wie sieht ein Server-Computer eigentlich aus?

Als ich mit der Entwicklung anfing, hatte ich eine diffuse Fantasie vom ‘Server’. Ich stellte mir einen riesigen Supercomputer vor wie im Film Matrix: grüne Buchstaben, die wie Regen herunterlaufen, unzählige verknotete Kabel, gewaltige Maschinen, tiefe Betriebsgeräusche und überall blaue Lichter.

Doch der erste Serverraum, den ich in der Praxis sah, ein IDC, sah ganz anders aus. Die flachen Geräte in den Racks waren beim Aufschrauben am Ende auch nur ganz normale Computer mit CPU, RAM und SSD, also gar nicht so anders als mein Laptop.

Was genau ist es also, das meinen Laptop zu einem ‘persönlichen PC’ macht und diese grob wirkende Maschine zu einem ‘Server’?

Ein Server ist keine besondere Maschine, sondern ein Computer mit einer besonderen Rolle.

Der, der gibt (Server) vs. der, der fordert (Client)

Die Definition eines Servers ist denkbar einfach. Er ist das Ding, das ‘bereitstellt’. Der Client auf der anderen Seite ist das Ding, das ‘anfragt’.

Mit anderen Worten: Selbst mein alter Laptop wird in dem Moment zum ‘Server’, in dem ich ihn rund um die Uhr laufen lasse und externe Zugriffe erlaube. Aber warum verwenden wir dann nicht einfach meinen Laptop als Server? Warum mieten wir für viel Geld Cloud-Server wie AWS EC2 und installieren darauf das schwerer zu bedienende ‘Linux’?

Warum ausgerechnet Linux? (Geht Windows nicht?)

Windows ist wirklich bequem. Man klickt einfach mit der Maus herum, und alles wirkt intuitiv. Warum bestehen Server-Entwickler dann trotzdem auf Linux, also auf einem System, das scheinbar nur aus einem schwarzen Bildschirm besteht?

1. Eine GUI ist Luxus (Kosten und Effizienz)

Wenn Windows startet, erscheinen Desktop, Icons und Mauszeiger. Um diese ganze grafische Oberfläche aufrechtzuerhalten, verbraucht der Computer ständig CPU und Arbeitsspeicher. Ein Server braucht aber keinen Monitor. Er kann irgendwo auf der anderen Seite der Erde stehen und nur Daten verarbeiten. Ein Linux-Server im CLI-Modus wirft die ganze Grafik ab und behält nur Text. Wenn Windows von 100 Kraftpunkten 30 für das Zeichnen des Bildschirms ausgibt, kann Linux die vollen 100 in den Dienst stecken.

2. Freiheit von Zwangsupdates (Stabilität)

Wer Windows lange genug nutzt, erlebt irgendwann: „Wird für Updates neu gestartet.“ Auf einem privaten PC ist das nur lästig. Man geht kurz auf die Toilette und kommt zurück. Aber wenn ein Server, der 24 Stunden am Tag laufen soll, plötzlich eigenmächtig herunterfährt, dann ist das eine Katastrophe. Linux kann oft jahrelang ohne Reboot laufen, solange nichts Größeres wie ein Kernel-Update ansteht.

3. Lizenzkosten (Geld)

Windows Server ist teuer. Teilweise hängen die Kosten sogar von der Anzahl der CPU-Kerne ab. Linux dagegen, etwa Ubuntu oder CentOS, ist meist kostenlos und Open Source. Für Unternehmen mit Tausenden von Servern ist die Antwort damit praktisch vorgegeben.

Für einen Server ist bunte Grafik nur unnötiges Gepäck.

Warum nicht Linux auf Windows installieren? (Der Auftakt zur Virtualisierung)

An diesem Punkt kommt ein Anfänger-Developer, also mein früheres Ich, auf eine geniale Idee. „Wenn Windows bequemer ist, warum installieren wir dann nicht Windows Server und lassen darin Linux als ‘Virtual Machine’ laufen?“

Natürlich geht das. Aber das ist ungefähr so, als würde man in einem Haus ein Zelt aufbauen und darin wohnen.

Der Hausbesitzer, also Windows, muss essen, und der Mieter, also Linux, muss ebenfalls essen. Die Ressourcenverschwendung ist enorm. Also dachten Entwickler weiter: „Können wir nicht statt eines vollwertigen schweren Betriebssystems nur genau die ‘Umgebung’ isolieren, die wir wirklich brauchen?“

Am Ende dieser Überlegung entstand genau daraus Docker, also die Container-Technologie.

Die nächste Geschichte: eine Welt ohne Maus

Jetzt wissen wir, warum Server Windows aufgegeben und Linux gewählt haben. Aber etwas im Kopf zu verstehen und es mit den Händen zu bedienen, sind zwei verschiedene Dinge. Wenn man sich zum ersten Mal mit einem Linux-Server verbindet, begrüßt einen nicht der freundliche Start-Button von Windows, sondern nur ein blinkender Cursor auf schwarzem Hintergrund.

Beim nächsten Mal schauen wir uns Überlebenstechniken für diese fremde Linux-Terminalwelt, also CLI, an: Dateirechte ohne Maus verwalten und einen Server wirklich kontrollieren.

Schreibe einen Kommentar